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EBZ-Konferenz Europäische Fördermittel für die deutsche Wohnungswirtschaft

Die Europäische Union stellt allen Branchen Fördermittel zur Verfügung. Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft beansprucht bis jetzt aber nur einen winzigen Bruchteil davon. Für Wohnungsunternehmen im Alltagsbetrieb gilt: Zu unbekannt sind die Möglichkeiten, zu komplex die Akquise. Deshalb ist am EBZ – Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW sowie dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen eine Beratungsstruktur rund um europäische Fördermittel und -möglichkeiten entstanden.

Die EU investiert jährlich rund 325 Mrd. Euro in Programme für die regionale Entwicklung und 75 Mrd. Euro in Wissenschaft und Forschung. Das Geld ist an Förderprogramme wie Horizont 2020, INTERREG, EFRE und ESF gekoppelt. Mit der Bereitstellung von Fördermitteln zielt die EU darauf ab, Innovationen voranzutreiben und somit das Wirtschaftswachstum in den Mitgliedstaaten zu sichern und zu fördern. Für die Unternehmen bedeutet das bares Geld.

Der nationalen und europäischen Wohnungswirtschaft stehen diese Töpfe ebenfalls zur Verfügung. Ob Digitalisierung mit Smart Home und Ambient Assisted Living Technologie oder Migration, Wohnungsneubau und Quartiersentwicklung bis hin zur Energiewende – es gibt zahlreiche Bereiche, in denen Forschungsergebnisse neueste Erkenntnisse erbringen – wichtige Grundlagen für zukunftsweisende Innovationen. Doch welche Forschungsprojekte gibt es? Was machen die europäischen Partner? Wie kann man sich beteiligen und vor allem: Wie erhält man finanzielle Unterstützung? Diese Fragen sind zu komplex, als dass sich Wohnungsunternehmen neben dem Tagesgeschäft damit auseinandersetzen könnten. Zudem ist klar, dass eine Beteiligung an europäisch geförderten Innovationsprojekten nur möglich ist, wenn Unternehmen bei der Abwicklung der EU-Bürokratie und die Antragstellung in englischer Sprache unterstützt werden.

Beratungsstruktur für deutsche Wohnungsunternehmen steht

„Mit dem European Network for Housing and Urban Development (ENH) haben wir am EBZ eine professionelle Infrastruktur für Konzeption, Antragstellung und Umsetzung europäischer Verbundprojekte etabliert. Ziel ist es, die Vernetzung mit geeigneten Projektpartnern in ganz Europa zu erleichtern und Unternehmen bei Fragen rund um die Akquise von Fördermitteln, Forschungsausschreibungen und Projektabwicklung zu unterstützen“, erklärt Axel Gedaschko, Präsident des GdW.

Als Leitthemen stehen Digitalisierung, Integration und Arbeit im Quartier, Bauthemen und Personalentwicklung auf der Agenda des ENH. Die ENH–Koordinatorinnen Susanne Juranek und Janina Kleist bereiten diese Themen für die Branche auf, unterstützen bei der Projektentwicklung, der Antragstellung und dem Projektmanagement oder übernehmen dieses gänzlich. Sie kennen ebenfalls laufende Forschungsprojekte und Beteiligungsmöglichkeiten und können Partner vermitteln und Synergien schaffen. GdW, VdW und EBZ leiten das ENH in enger Abstimmung mit dem Europabüro des GdW in Brüssel.

Unternehmen erhalten für die Beteiligung an europäischen Projekten, je nach Fördertopf, Zuschüsse von mindestens 50% zu den Projektkosten. Darunter fallen z.B. Personalpauschalen, Gemeinkosten, Reisekosten und Workshops.

Janina Kleist
(Quelle: EBZ)

Europäisches Gipfeltreffen der Wohnungswirtschaft legte Grundsteine für Zusammenarbeit über EU-Grenzen hinweg

Die erste große ENH-Konferenz im April 2016 am EBZ in Bochum brachte die bedeutendsten europäischen Akteure der Wohnungswirtschaft zusammen. Neben Housing Europe, Eurhonet – The European Housing Network, der EFL – European Federation for Living, dem europäischen Tisch des VdW Rheinland Westfalen, dem Bundesbauministerium sowie der IWO – Initiative Wohnungswirtschaft in Osteuropa waren noch viele weitere Entscheidungsträger vor Ort und haben sich zu den aktuellen, für die Branche relevanten europäischen Themen ausgetauscht. Alle Beteiligten waren sich einig, dass man in Zukunft enger zusammenrückt.

Auf nationaler Ebene treffen sich bereits Akteure der Wohnungswirtschaft zum Austausch in regelmäßigen Arbeitskreisen und dies wird nun ebenfalls auf Europaebene angestrebt. Unternehmen aus Schweden, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden oder Großbritannien sind ähnlich aufgestellt und haben darüber hinaus häufig vergleichbare Wohnungsbestände. Sie setzen sich mit ähnlichen Themen auseinander und stehen vor den gleichen Herausforderungen, wie der Digitalisierung, Energieeffizienz von Gebäuden oder der Migration. Es bietet sich somit an, die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene noch weiter zu vertiefen. Das ENH will über Best-Practice-Beispiele austauschen, Netzwerke knüpfen, Verbündete finden und gemeinsam Forschungsprojekte umsetzen.

„Wenn es um Forschung geht, ist die Branche noch sehr zurückhaltend“

Bei einer Tagung des AGW Arbeitskreises Betriebswirtschaft stellte das ENH die EU-Fördermöglichkeiten vor. Der Termin bestätigte noch einmal, dass vor allem größere Wohnungsunternehmen, die eigene Mitarbeiter im Bereich Unternehmensentwicklung haben, bereits Ansätze für Projektideen mitbringen. Nun gilt es, diese um entsprechende Partner und europäische Perspektiven zu erweitern. Kleinere Unternehmen wollen vorab erst einmal mehr über Beispielprojekte erfahren oder sich mit möglichen Innovationen beschäftigen. Hier ist das ENH in das umfangreiche Fachwissen und den Erfahrungsschatz der EBZ Business School und des InWIS in den Bereichen Forschung und Innovation eingebettet.

Erst kürzlich hat die EFL-Führung den Koordinatorinnen des ENH die Leitung der Arbeitsgruppe für EU-Fördermittel übertragen. Die EFL ist ein internationales Forum, in dem sich Wohnungsunternehmen aus ganz Europa mit Universitäten und Industriepartnern zusammengeschlossen haben. Gemeinsam setzen sie sich für eine wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklung von Wohnen und Quartiersentwicklung ein. Gleichzeitig ist das ENH aber auch darauf angewiesen, mehr über Modernisierungsanliegen der Unternehmen zu erfahren. Dann kann der Versuch gelingen, die Antragstellung und Ideenentwicklung zentral zu poolen.

Das europäische Netzwerk ist bereits in die Entwicklung diverser europäischer wohnungswirtschaftlicher Innovationsprojekte, beispielsweise im Bereich Energieeffizienz involviert. Entscheidungen über die Bewilligung der ersten Projekte durch die EU folgen im Verlauf des Jahres 2016. Parallel prüft das ENH alternative Finanzierungsmöglichkeiten, wie Crowdfunding.

„Die Rahmenbedingungen sind geschaffen. Jetzt muss die nationale Wohnungswirtschaft in Deutschland die Chancen ergreifen. Die Umsetzung europäischer Innovationsprojekte mit EU-Fördermitteln ist kein Kinderspiel und kann für ein einzelnes Unternehmen auf den ersten Blick sehr komplex und aufwändig wirken. Es wäre aufgrund der zahlreichen Vorteile dennoch sträflich, die Möglichkeit verstreichen und die Potentiale ungenutzt zu lassen“, erklärt Hendrik Jellema, Europabeauftrager des EBZ.

green with IT bringt in Kürze einen ersten h2020-Antrag für die europäische Wohnungswirtschaft ein.

Zum Originalbeitrag des EBZ

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