01.03.2018 IHK Berlin: Wärmewende-Veranstaltung zu Energieeffizienz-Erfolgen made by IoT

Durch Energieeffizienz zum Smarten Quartier war das Motto der Veranstaltung, Erfolgsbeispiele aus der Wohnungs- und Gewerbewirtschaft waren der Inhalt, Unterstützung Berliner CO2-Ziele sind das nachhaltige Thema. Welcher Gewinn entsteht auch für die Endnutzer aus der Verbindung von Energieeffizienz und digitalen Werkzeugen aus dem „Internet of Things“? Wie genau lassen sich Stadtrenditen rechnen, welchen Beitrag kann die Heizenergie zur Verbesserung der Klimabilanz in validen Tonnagen leisten?

Das Beste vorweg: Die konstruktive Debatte um die CO2-Ziele Berlins war durch die Grundlagen-Vorträge  so inhaltsreich vorbereitet, dass das Gesamtplenum trotz vorweg diskussionsbedingter Zeitüberschreitung und trotz lockendem Buffets kein Ende finden wollte. Dank an die IHK! Ein privater Veranstalter hätte sicherlich eher auf ein pünktliches Ende gedrängt. Doch IHK und der flexible Caterer Penndorf machten es den Teilnehmern möglich, die Gunst der Stunde zu nutzen und sehr tief ins Detail der Wärmewende einzusteigen; speziell zu den noch ungehobenen Potenzialen und daraus folgernden Empfehlungen der konkreten Umsetzungsschritte zur Hebung dieser Potenziale.

Die letzte umfassende Diskussion zu diesem Thema hatte am 10.10.2017 die Heinrich-Böll-Stiftung organisiert. Die Veranstaltung knüpfte daran inhaltlich an, doch waren die Grundlagen in den Themeneinstieg differenzierter aufgestellt. Die Plenumsdiskussion wurde von Vertretern aller Landesbeteiligten aus Wirtschaft, Politik aus Bezirk, Land und Bund, Wissenschaft, Kammern, Verbänden, Energieversorgern,- verteilern, IT-Dienstleistern, Consultern, Projektanten zusammen mit Bürgervertretern, Gewerbe- und Wohnungswirtschaft geführt.

Doch der Reihe nach: Auf der Suche nach Synergien und quergedachten Lösungen legte die Veranstaltung Berlin: Wärmewende gemeinsam mit dem Netzwerk green with IT, Berlin Partner und der IHK den Fokus auf neue Geschäftsmodelle der digitalen Transformation.

Dr. Jens Homann von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe skizzierte eingangs die Entstehung, Förderung und Einbettung des Netzwerks „green with IT“ in die Clusterlandschaft; stellte die Schwerpunkte und Ziele der Förderung vor und gab seiner Erwartung auf konkrete Umsetzungsergebnisse Ausdruck.

Der Vortrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutzwende_Berlin konnte krankheitsbedingt nicht, wie geplant, von den Referenten Michael Färber und Dr. Elisa Dunkelberg gehalten werden. Da dies aber ein wichtiger inhaltlicher Schlüssel zum Veranstaltungsthema war, konnte der Vortrag nach interner Abstimmung zitatweise präsentiert werden.

Valide Stadtrenditen waren das Thema von Jörg Lorenz, Manager des Netzwerks green with IT. Wie können Bürger bei der Umsetzung der Klimaziele einbezogen werden? Wie können valide Erfolge gesellschaftlich geteilt und wie kann das Gefühl des „Wir-machen-alle-mit“ vermittelt werden? Hier galt es zunächst, die neuen Technologien, die Disruptivität der Ansätze, die Pilotprojekte, ihre Beteiligten und deren validen Ergebnisse vorzustellen. Erkennbar wurde hier: Dies sind völlig neue Umsetzungswege, in der Region erforscht und geboren, erstmals im Kontext ausprobiert. Ergänzendes Highlight: Erfolge des Programmierens von Wasser!

Dr. Christina Quensel, GF der BBB Management GmbH Campus Buch, gab – als Pilotprojekt-Teilnehmerin des Netzwerks –  einen Einblick in die validen ersten Ergebnisse der 30%igen Heizwärme-Volumenstromreduzierung durch den Einsatz selbstlernender Algorithmen; beginnend in Einzelräumen und hochskaliert auf ein großes Quartier. Ergänzend dazu sind weitere drastische Reduzierungen durch den Einsatz prädiktiver Lastkurven und konsequentes bidirektionales Quartiersmanagement bilanzierbar. Reduzierte Anschlusswerte sind valide Beiträge zur Energievermeidung.

Dieses Beispiel aus einem Gewerbequartier nahm Daniel Schulz, Vorstand der ABG Paradies eG. aus Berlin-Bohnsdorf, nun unter geänderten Bezügen eines Wohnquartiers auf. Die Geräteeinführung im Kontext der selbstlernenden Algorithmen haben selbst der ältesten Mieterin mit 102 Lebensjahren keine Probleme bereitet; in der Mieterschaft des pilotierten Quartiers herrscht eine positive Grundstimmung. Kunststück: sind doch sinkende „warme Betriebskosten“ der winkende finanzielle Erfolg. Doch darüber hinaus berichtete Schulz über ein zukunftsweisendes Smart-Meter-Gateway-Projekt in seinem Quartier, welches nun in die zweite Umsetzungsstufe geht: die sichere Mieter-Identität als Basis aller IT-gestützten Maßnahmen der Energieeffizienz, speziell der Energievermeidung.

Dr. Carsten Krüger, GF der Vattenfall Europe Netcom GmbH, nahm diesen Themenfaden auf und vertiefte die Umsetzung dieses noch „ungeregelten“ Marktsegments in Form eines sicheren „Speditionsnetzes“ unter Einbindung neuester Glasfaser-Technologie im Wohnquartier.

Zentrales Hemmnis IT-geführter Energieeffizienz-Prozesse ist die ungelöste Sicherheitsfrage; die Furcht vor Datenklau, Identitätsdiebstahl und Konsequenzen persönlicher Angriffe aus der Cloud. Dr. Lutz Martiny, Leiter des Kompetenzfeldes „Security“ im Netzwerk, nahm die Analogien zum „Grundschutz“ des BSI als Grundlage zur Sicherstellung einer solchen „sicheren Identität“ und skizzierte den Weg dorthin. Die Basis ist die TR 03109, deren Richtlinien analog für bürgernahe Prozesse übernommen werden können. In Addition mit dem „sicheren Speditionsnetz“ können Alternativen zu unsicheren amerikanischen Serverlösungen umgesetzt werden.

Die Vorträge wurden ergänzt durch eine zentrale Information des EEN-Büros von Berlin-Partner. Katarzyna Grajner informierte umfassend über Fördergrundlagen und Szenarios in die Projektumsetzung auf Basis europäischer h2020-Programme sowie diverser nationaler Programminitiativen der Bundesministerien und der Länder.

Energie und IT initiieren mehr valide Effizienzerfolge und Standortstärken als vermutet. Immer mehr erkennbare neue Geschäftsmodelle werden in der Hauptstadtregion erfolgreich getestet und bringen validen Nutzen für Endverbraucher, aber auch für Energielieferanten und -verteiler. Neue Schlagworte entstehen in der digitalen Transformation entlang der Verschmelzung von Energie und IT: Mobile App´s für Mieter, selbstlernende Algorithmen in Einzelräumen, Energy Harvesting Prozesse, prädiktive Lastkurven, 5G-Anwendungen der Heizverbrauchstransparenz, zertifizierte Quartierlösungen, telemetrische Speditionsnetze, work@home und die Umsetzung von frühen Smart Meter Gateway-Projekten auch unterhalb der 6000 kWh-Grenze. In Berlin entstehen erkennbare  Geschäftsmodelle in konkreten Pilotanwendungen sowie „Crossover”-Alleinstellungsmerkmale der  Hauptstadtregion mit Exportqualität.

Noch spannender wird der Blick auf sichere und nach Datenschutzrichtlinien zertifizierte Anwendungen. Digitalisierung und Vernetzung bringen neue Quartierlösungen hervor, die selbst in gut bewirtschafteten Beständen noch große Effizienzen heben und so valide CO2-Senkungsraten ausweisen.

Doch wie profitiert unsere Region davon? Die Konferenz hatte IT-geführte Senkungspotenziale im Bereich der größten Stellschraube unserer Energiebilanz präsentiert: der Heizenergie! Gehirnschmalz vor Styropor lautet die Devise. Valide Pilotierungsergebnisse offenbaren erstaunliche Senkungspotenziale in Gewerbe- und Wohnobjekten und wurden direkt von den Betreibern der Wohngebiete und Campusse berichtet; Return-On-Invest-Aussichten inklusive.

So durch mutmachende Pilotierungsergebnisse angeregt, fanden sich zügig Querschnitts-Themen über alle vordergründigen Interessen der anwesenden Marktteilnehmer. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Dieter Flämig von INFRANEU, der zunächst die COP 21-Ziele auf die Ziele COP 21 Berlin übersetzte: Allen bisher jährlich geernteten CO2-Einspartonnagen darf getrost eine „Null“ als Zukunftsanspruch hinten angefügt werden oder: alle bisherigen Anstrengungen aller Marktteilnehmer haben nur bei sehr wohlwollender Betrachtungsweise gerade 10% der CO2-Einspartonnagen erbracht, die Berlin nun völkerrechtlich (anteilig)abzuliefern verpflichtet ist.

Hier die Kernthesen des Dialogs, der von Allen als zu kurz und dringend fortzuführen empfunden wurde:

  • Energievermeidung: ein Begriff, der die allgemeine „Energieeffizienz“ dahingehend präzisiert, dass Förder- und Handlungsziele der Vermeidung von Energieproduktion unterstehen und die Reduzierung bestehender Absatzplanungen der Energieproduzenten bedeuten. Nicht konfrontativ, sondern im gesellschaftlichen Kontext soll dies angegangen werden: Tiefen-Geothermie und Wärmepump-Konzepte im GW-Bereich  müssen grundlegend überdacht und an die Genehmigungspraxis des Wasserrechts angepasst, transparentes energetisches Quartiermanagement, speziell Primärkreisläufe dem Kunden transparent eröffnet werden, ferner: Heizverbrauchs-Transparenz per Mieter-App, Einbezug von Wetterprognosen bei der Regleransteuerung (prädiktive Lastkurven), neue Geschäftsmodelle auf der Basis Smart-Meter-gesteuerter Quartierskonzepte
  • Einbezug von Mietern in Handlungs- und Aktionsfelder zum eigenbestimmten Beitrag der CO2-Reduzierung fördert gesellschaftlichen Konsens. Berlin ist eine Mieterstadt.
  • Eröffnung sinkender warmer Betriebskosten sind ein Eingangstor zu mehr Bürgerverständnis über den Punkt „Partizipation“. Die green-with-IT-Pilotierungsergebnisse sind speziell im sozio-ökonomischen Bereich weiter zu entwickeln und weitere Fachexperten in die Quartiersumsetzung einzubinden
  • Warmwasser-Speicher in Wohngebieten sind unerschlossene Optioen sofortiger großer CO2-Bilanzsenkungen. Die AG 8 des WINDNODE-Projektes ist eine Handlungsfeld zur langfristigen Umsetzung
  • Sichere Bürger-Identitäten fördern als Basis konkreter Energieeffizienz-Anwendungen die gesellschaftliche Akzeptanz auch für andere bügernahe Themenfelder: Sicherheit, AAL, ehealth, Termin- und Kalenderservices in der Wohnumgebung, Dialogkopplung mit Vermietern

All dies sind konkrete zusätzliche Handlungsoptionen speziell der Wärmewende, die hier zunächst vorgestellt wurden und in die allgemeine Diskussion zur Unterstützung der Klimaschutz-Aktivitäten einfließen sollen.

Klar war, dass diese Ergebnisse den Stand der Diskussionen ergänzen und bereichern, nicht ersetzen sollen. Hier sei neben den wissenschaftlichen Grundlagenergebnissen der Institute vorrangig die Dialogforen der Stadt erwähnt. Neben dem eingangs erwähnten Forum der Heinrich-Böll-Stiftung betrifft dies auch die Berliner „Initiative für die Wärmewende“ mit den wichtigen Playern BBU, Kammern und Verbänden sowie den Begleitkreis Kohleausstieg.

Prof. Flämig präsentierte abschließend ein Beispiel unausgeschöpfter Potenziale aus dem (benachbarten) Verkehrsbereich, hier: Wechselbatterie-Konzepte für Busflotten und deren valide Ergebnisse aus dem Einsatz in Peking. Damit skizzierte Prof. Flämig die enge Verzahnung der aktuellen Energieeffizienz-Oberthemen aus Verkehr und Mobilität und führte diese wieder zurück zum Veranstaltungsthema: Speicherkapazitäten für Wohngebiete, kombinierte Ladekonzepte mit E-Mobilitätspraktiken für Mieter usw.

In diesem thematischen Zusammenhang  hatte Prof. Dr. Bernd Hirschl, Forschungsfeldleiter und Themenkoordinator „Klima und Energie“ am IÖW, in einem Forumsbeitrag der Heinrich-Böll-Stiftung zum politisch verantwortungsvollen Dialog mit den politischen Entscheidern aufgerufen: „Machen Sie Ihren Abgeordneten klar, dass das so schnell wie möglich passieren muss.“ Die vielen Maßnahmen im BEK machen dabei eine Priorisierung erforderlich. Er empfahl: „Fangen Sie sowohl mit Gewinnerthemen an als auch mit den Zielkonflikten.“ Gewinnerthemen sorgen für Akzeptanz, die Lösung von Zielkonflikten ist zeitintensiv und muss deshalb rasch begonnen werden.

Zum Thema Nachhaltigkeit der Veranstaltung:

green with IT, INFRANEU und weitere Verbände haben die Initiative „COP 21 Berlin“ ins Leben gerufen. Unter diesem Dach soll der Dialog des Tages weiter geführt, die begonnenen Thesen breit abgestimmt werden. Dies erfolgt nun zügig im Dialog mit allen Veranstaltungsteilnehmern über Queries und auch über konkrete Projektbeteiligungen. Mit Hilfe des EEN-Büros werden die Projektgrundlagen breit kommuniziert und in konkrete Umsetzungs-Vorhaben gebracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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