Gehirnschmalz vor Styropor: Aufbau eines Zukunftsnetzwerks aus Anbietern und Nutzern in Europa

23.03.2015

green with IT hat ein Strategiepapier vorgelegt, mit dem neue Geschäftsmodelle und der vorrangige Einbezug der Mieter zur Umsetzung angeregt werden. Im Sinne der hier vorgelegten Thesen werden nun Pilotierungsprojekte begonnen, die dann nach Auswertung in Rahmenverträge mit der Wohnungswirtschaft gegossen werden sollen.

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Die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: Die zunehmend mobile Mieterkommunikation ändert sich mit dem Voranschreiten der Prozesse rund um die „Industrie 4.0“. Neue Stichworte: diconomy, Geschäftsmodelle, Mietereinbezug, Autonomik, Internet der Dienste, cloudbasierte Prozesse……… Die Gebäude müssen zudem in den nächsten Jahrzehnten weiter energetisch saniert werden. Gleichzeitig ändern sich die Anforderungen der Kunden in einem hohen Tempo. Die zur Verfügung stehenden Mittel dafür sind knapp, da die Kunden nur begrenzt zur Finanzierung herangezogen werden können.

Vor diesem Hintergrund entsteht ein hoher Innovationsdruck für die Wohnungswirtschaft. Neue, ITgestützte Energieeffizienz-Prozesse versprechen die Lösung für viele Problemstellungen – so können zum Beispiel gering investive Steuerungssysteme einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz von Gebäuden leisten und die Mieterkommunikation unterstützen. So kann die Verwendung von IT-Komponenten bei der Modernisierung von Wohnungsbeständen den Komfort für die Bewohner und damit die Vermietbarkeit einer Immobilie deutlich erhöhen. Open Source kann die Verschlankung von Abrechnungs-Schritten erleichtern und teure proprietäre Protokolle ersetzen. Mobile, unter Android, IOS und anderen Betriebssystemen programmierte Prozesse benötigen in Zukunft nur noch einen Webbrowser – dafür werden alte, stationäre Prozesse in Frage gestellt und bleiben zurück, falls keine Anpassung erfolgt. Die Welt spricht IP.

Zwei Welten – die der Anbieter it-gestützter Energieeffizienz-Prozesse und die der professionellen Wohnungswirtschaft – können hier also fruchtbar aufeinander treffen. Notwendig ist dafür ein konstruktiver, offener Dialog mit konkreten Prozessbeschreibungen und Projektbezügen. Der Dialog soll technische Lösungen hervor bringen, die für Wohnungsunternehmen finanzierbar, praktikabel und mehrwertig sind und eine entsprechend hohe Nachfrage in der Branche generieren. Der erste Schritt, um das zu erreichen, muss der Aufbau eines Netzwerks sein, in dem ein solcher Austausch stattfinden kann; dessen Inhalte offensiv nach außen in alle Ebenen der Gesellschaft getragen werden.

Dies ist ein langer Weg mit vielen Fragekomponenten, hinterfragungswürdigen Regularien und Herausforderungen für die Beharrer alter Gewohnheiten aus der analogen Welt: Stromproduzenten, Submetering-Anbieter, Serviceunternehmen….. keine Branche bleibt von der diconomy und ihren disruptiven Veränderungen verschont. Disruptiv bedeutet hier in erster Linie: Beim kompletten Infragestellen alter Prozesse, bei der Aufstellung völlig neuer Prozesse mit ungewohnten Wertschöpfungsketten gilt es,  alte Zöpfen mit  frisch nachwachsendem Haar zu verdrängen. Dabei ist Beschränkung angesagt: keine Hochglanz-High-End Lösungen, wie es die alte Industrie mit ihren dreistufigen Vertriebsmodellen so gern bewahrt hätte. Beschränkung bedeutet: Konzentration auf das Machbare mit geringen, aber treffsicher eingesetzten Investitionen, bei denen  Mietparteien auch – wenn denn gewünscht – mitinvestieren dürfen.

Smart macht mobil

Das Computer gesteuerte „schlaue Haus“ ist noch nicht massentauglich. Eine neue App soll das ändern.
Jahrelang hat die Industrie für die Idee vom „schlauen Haus“ geworben. Doch auch 20 Jahre später ist das Smart Home bisher „nicht in Authentic einen Massenmarkt gemündet“, bedauert der Netzwerker Jörg Lorenz aus Berlin. Das will er nun zusammen mit Universitäten und Unternehmen der Region im Verein „Green with IT Berlin-Brandenburg“ ändern. Zur Auftaktveranstaltung trafen sich die Mitglieder kürzlich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Ihr konkretes Projekt: Gemeinsam wollen sie eine App entwickeln, mit der sich alle Geräte eines Smart Homes aus einer Hand steuern lassen.

Im automatischen Haus der Zukunft könnten Apps wie diese vieles erledigen, was man heute noch selbst tun muss: Das Licht ausschalten, wenn man das Zimmer verlässt.

Die Heizung hochdrehen, bevor man nach Hause kommt. Die Rollläden runterlassen, wenn die Sonne aufs Südfenster brennt. Die Kühltruhe einschalten, wenn der Strom billig ist. Smart Homes – so lautet das Versprechen – sparen auf diese Weise viel Energie. Das bestätigt ein Pilotprojekt von RWE. Das Energie-Unternehmen hat 40 Häuser in Bottrop mit einem Steuersystem ausgerüstet, das unter anderem die Temperatur der Heizkörper regelt. Im Schnitt verbrauchten die Bewohner zehn Prozent weniger Heizenergie. Manche Haushalte sparten sogar 25 Prozent ein.

Dabei arbeiten die smarten Geräte mit einer charmanten Technologie: Allein aus dem Temperaturunterschied zwischen der Umgebungsluft und dem warmen Wasser in der Heizung gewinnen sie genug Energie, um ein Ventil zu öffnen und zu schließen. „Energy harvesting“ nennt sich das. Gesteuert werden solche Thermostate per Funk mit einem Standard, der von Siemens entwickelt wurde und unter der Marke „EnOcean“ verkauft wird. Smart City ist die Zukunft

Schon heute werden funkgesteuerte Thermostate und Leuchten in großem Stil in öffentlichen Gebäuden eingesetzt, sagt Graham Martin, Geschäftsführer der EnOcean Alliance. So habe die Müritz-Klinik in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) Fenster und Heizungen mit Reglern ausgerüstet, die nach dem einfachen Muster „Fenster auf – Heizung zu“ funktionieren. Verschwenderische Kipplüftung hat damit ein Ende, weil es im Zimmer einfach zu kalt wird. 22 Prozent Heizkosten sparte die Müritz-Klinik nach der Umrüstung, sagt Graham Martin.

Einsparoptionen könnten die Einführung selbst finanzierter App´s für Mieter beschleunigen (siehe Bild oben).

Bis man solche Dienste massenhaft nutzen kann, muss aber noch ein zentrales Problem gelöst werden: Bisher sprechen die Anwendungen nicht alle die gleiche Sprache. Deshalb will das Berliner Start-up „Yetu“ eine Universalbedienung fürs intelligente Zuhause schaffen. „Smart Homes sollen das Leben leichter machen und nicht schwieriger“, sagt Natalie Sonne von Yetu. Im Moment hätten Verbraucher nur zwei Möglichkeiten: „Entweder sie entscheiden sich für eine Marke und richten sich damit ein oder sie haben zig Fernbedienungen und lauter Geräte, die nicht miteinander kommunizieren können“, sagt sie. Den Bedenken der Verbraucher, ob ihre Daten auch sicher sind, will Yetu mit einer aufwendigen Verschlüsselung begegnen. „Schließlich sind die Daten aus der eigenen Wohnung die sensitivsten, die es gibt“, sagt Sonne.

Auch die geplante App von Green with IT soll höchsten Sicherheitsstandards genügen, sagt Jörg Lorenz. Als Konkurrenz zu Yetu sieht er sich nicht. Seine Zielgruppe sind die Mieter von Berliner Wohnungsgesellschaften, die die App ab Mitte 2016 kostenlos erhalten sollen. Auch sie wird ein Werkzeug für viele Aufgaben sein, etwa Sicherheitsanwendungen und Thermostate steuern können und Mietern erlauben, sich ein Mittagessen ins Haus zu bestellen. Über eine kleine Provision von solchen Einkäufen soll sich die App finanzieren; die Weitergabe von Daten schließt Jörg Lorenz kategorisch aus.

Zum Tagesspiegel-Originalbeitrag vom 09.03.2015 (Susanne Ehlerding)