EED-Gebäuderichtlinie der EU: Ergebnis der ersten Lesung 17.07.2018 veröffentlicht

Als Teil des Maßnahmenpakets „Saubere Energie für alle Europäer“ hatte die Europäische Kommission im November 2016 eine Überarbeitung der Energieeffizienzrichtlinie (EED) von 2012 vorgeschlagen. Ziel der Überarbeitung war es, die EED durch die Einführung eines verbindlichen Energieeffizienzziels von 30% für die Zeit bis 2030 anzupassen und das derzeitige Anforderungsniveau somit beizubehalten. Zudem schlug die Kommission vor, den Wortlaut teilweise zu vereinfachen, um die Umsetzung der Richtlinie auf einzelstaatlicher Ebene zu erleichtern.

Ende 2017 lag dann ein Kommissionsbericht zur Bewertung der Fortschritte bei der Umsetzung dieser geplanten Vereinfachungen vor.

Am 17.07.2018 wurde nun das Ergebnis der ersten Lesung als „Transnationales Verhandlungsergebnis“ vorgelegt. Eine Präzisierung, ja sogar Verschärfung der verbindlichen Richtlinien wurde eingefügt für den Fall, dass einzelne Staaten hier das geplante Zählerwesen unterlaufen wollen (aktuell nur in englich, Übersetzung folgt):

„In multiapartment and multipurpose buildings with a central heating or cooling source or supplied from district heating or cooling ystems, individual meters shall be installed to measure the consumption of heat or cooling or hot water for each building unit, where technically feasible and cost effective in terms of being proportionate in relation to the potential energy savings.
Where the use of individual meters is not technically feasible or where it is not cost – efficient to measure heating in each building unit, individual heat cost allocators shall be used to measure heat consumption at each radiator unless it is shown by the Member State in question that the installation of such heat cost allocators would not be cost efficient. In those cases, alternative cost – efficient methods of heat consumption measurement may be considered. The general criteria, methodologies and/or procedures to determine technical non – feasibility and non – cost effectiveness shall be clearly set out and published by each Member State.“

Der Gebäudebestand birgt ein großes, kosteneffizientes Energiesparpotenzial, das sowohl die EU als auch die nationale Politik unbedingt erschließen wollen. Zudem sollte die Digitalisierung im Energiesektor beschleunigt werden. Der Wert des Gebäuderenovierungsmarkts im Jahr 2030 wird auf 80-120 Milliarden EUR geschätzt. Um die Privatfinanzierung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien im Sinne der EED-Richtlinienstruktur weiter auszubauen, wurden nun in einem ersten Schritt in Berlin der örtliche große Wärmeversorger Vattenfall Wärme schon vorauseilend aktiv:
Auch mit Blick auf die erkennbare Umsetzung der EPBD-Richtlinie wurde hier die Entscheidung getroffen, sämtliche Haus-Anschluss-Stationen großer Mehrfamilienhäuser mit einem Smart Meter zur Erfassung und Kommunikation von Primärenergie-Verbrauchsdaten auszustatten. Dies zu Lasten von Vattenfall.

Das Ergebnis ist ein eine reife, niedrig hängende Frucht digital erschlossener Energieeffizienz: Wärme-Bestandskunden können jetzt mit den neuen Grundlagen die vorhandenen Verträge auf das tatsächliche, nun erkennbare Mindestmaß (kW-Anschlusswert) reduzieren. Basisdatn dazu liefert das neue Transparenz-Datennetz aus den neu installierten Zählern. Somit wird das vorhandene Heiznetz des Lieferanten frei für neue Anschlüsse in neuen Quartieren. Neue Erzeugeranlagen müssen dafür nicht erstellt werden. Ist dies eine solide Finanzgrundlage zukunftssicherer Erzeuger-Anlagenplanung des Lieferanten? Hony soit qui mal y pense………

Ja, das ist es. Neue Quartiere können so auf Basis vorhandener Strukturen erschlossen werden; Neuinvestitionen in neue Heizkraftwerke zurück gestellt werden, bis tatsächlich das vorhandene Netz komplett ausgelastet ist. Solche betriebswirtschaftlichen Grundlagen sind nun wirklich keine Schelmerei, sondern bitter notwendige Grundlagen solider Zukunftsplanung zwecks wirtschaftlicher Netzauslastung.

Und eine neue Chance zusätzlich: neue digital gestützte Geschäftsmodelle für neue Dienste in Mieterquartieren.