04.12.2018 HTW Berlin: Evaluation digital gestützter energetischer Prozesse im wohnungswirtschaftlichen Quartier – Präsentation unserer Pilotprojekte aus drei Betriebsjahren

Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Campus Wilhelminenhof, am 04.12.2018 im Haus H:

Auf der Suche nach praktikablen und bezahlbaren Lösungen zur Umsetzung der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft hat unser Netzwerk in Kooperation mit mehreren Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften konkrete Pilotprojekte initiiert und umgesetzt. Konzipiert mit parallel geprüften Referenzbaukörpern haben wir “ganz normale” Wohnungen ausgestattet, nachdem wir die Ziele und Umsetzungsdetails mit den Vermietern und den Mietern gemeinsam ausführlich kommuniziert hatten. 70 Teilnehmer aus der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, aus Wissenschaft, Politik, Kammern, Verbänden und Handwerk erlebten die Präsentation erster Pilotierungsergebnisse aus Smart Meter-Anwendungen in Quartieren mit der Akzentuierung auf Energie-Effizienz.

Vorbericht

Nach der Begrüßung durch den Dekan des Fachbereichs 2, Prof. Volker Wohlgemuth erläuterte Prof. Dr. Friedrich Sick, HTW-Professor für Regenerative Energiesysteme, Anlagentechnik, dynamische Gebäude- und Anlagensimulation einige Projekte des klimagerechten Bauens wie z.B. der degewo und der GESOBAU.

Vortrag Prof. Sick

Das Tagesthema wurde hier auch durch thematische Erweiterungen (Heiz-Kühlmattentechnologie, Wärme- und Stromerzeugung) eingebettet und durch Forschungsthemen erweitert. Prof. Sick unterstrich damit die Themennähe der HTW an Zukunftsthemen der Gebäudeintelligenz, der Umsetzung von digital gestützten Geschäftsprozessen  in Forschungs- und Anwendungsprojekten.

Gregor Molwitz konnte krankheitsbedingt nicht präsentieren, doch haben wir seinen Vortrag

Evaluation der Pilotanwendungen “digitale Transformation in Quartieren”: Energieeffizienz-Steigerungen mit Gegenüberstellung von Referenz-Baukörpern, Smart Meter Gateway-Anwendungen, Neue Übertragungswege HKV,
PLC, Mieter-Resonanzen

hier einstellen können:

Präsentation Evaluation Gregor Molwitz, Kompetenzfeld 2 IoT: Energieeffizienz im Quartier

Die hier vorgestellten Ergebnisse aus der Senkung warmer Betriebskosten, aus der wichtigen Dialogarbeit mit den Mietern nahmen Bezug auf  drei komplett dokumentierte Heizperioden (2015 bis 2017) und deren formale Abrechnung durch die Vermieter.

Ergänzt wurde der Vortrag durch die weiteren Ergebnisse aus den parallel ausprobierten Smart Meter Gateway-Anwendungen, aus erstmals angewendeten neuen Übertragungswegen der Heizverbrauchs-Daten auf Basis besonders günstiger Technologien:

Präsentation Evaluation Rainer Wiggers, Kompetenzfeld 1 Datenmanagement

Neu waren hier die vorgestellten Hochsicherheits-Datennetze, die nun auch weiteren Branchen wie der Immobilienwirtschaft zur Verfügung gestellt werden und die auch Mietern letztendlich beim Wunsch nach dem Schutz vor Ausspähungen durch Dritte entgegen kommen können. So können Vermieter letztendlich Partner der Mieter bei der Umsetzung erhöhter Sicherheitswünsche werden.

Was sagen unsere Pilot-Partner zu den Ergebnissen? Zunächst präsentierte unser Pilotpartner 1, die GWG Lübben eG. die Sicht der Wohnungswirtschaft;

Präsentation Anwendungspartner GWG Lübben eG., Vorstand Nicole Jaegers

Es folgte eine ebenfalls mit Spannung erwartete Präsentation des Pilotpartners 2, der ABG Paradies eG. aus Berlin-Bohnsdorf, die besonders detailliert das Thema der Smart Meter Gateway-Anwendungen ausprobiert hatte:

Präsentation Anwendungspartner ABG Paradies eG., Vorstand Daniel SchulzABG_pdf

Unser Anwendungspartners 3, die Wohnungsbaugesellschaft der Lutherstadt Eisleben GmbH, präsentierte die eigene positive Sicht der Auswertung in freiem Vortrag durch den Geschäftsführer Marc Reichardt. Es gab – zusätzlich zu den Ergebnissen aus der verdichteten und „boomenden“ Hauptstadtregion – interessante ergänzende Aspekte aus einer Region, die durch sinkende Einwohnerzahlen gekennzeichnet ist und wo nach wie vor signifikante Leerstandsquoten das Hauptthema sind. Herr Reichardt berichtete davon, dass die eingesetzten digitalen Komponenten sehr gut geeignet sind, positive Mieterbindungen aufzubauen. Gerade bei hohen Fluktuationsraten und kritischer Preiswürdigung des Bestandes durch potenzielle zukünftige Mieter sind alle Maßnahmen zur Begrenzung der Betriebskosten ein willkommenes Instrument zur Steigerung der Attraktivität der Wohnungen. Die im Vorbericht dokumentierten positiven Mieter-Aussagen zu den Pilotanwendungen bestätigen dies auf sehr deutliche Art und Weise gerade in diesen „kritischen“ Beständen.

Unser Pilotpartner 4, die Campus Berlin GmbH, brachte ergänzende Aspekte der rein gewerblichen Quartiersnutzung ein und rundete somit das vorab wohnungswirtschaftlich geprägte Gesamtbild aller Pilotanwendungen ab:

Präsentation Anwendungspartner Campus Buch GmbH, GF Dr. Christina Quensel

Alle Pilotanwendungen wurden abschließend nochmals technisch und perspektivisch vom Initiator, dem green with IT eV., zusammen gefasst:

Zusammenfassung green with IT, Vorstand Jörg Lorenz

Wie ordnen sich die vorgetragenen Aspekte in die politische Landschaft der Region, in die thematischen Rahmenbedingungen ein? Antwort darauf gab der Leiter des Energieclusters Berlin-Brandenburg:

Vortrag Energiecluster Berlin-Brandenburg, Clustermanager Wolfgang Korek

Welche weiteren Optionen auf Förderungen vergleichbarer zukünftiger Projekte gibt es? Wie können die Ergebnisse der Pilotierungen nachhaltig in weitere Projekte einfließen? Dies wurde durch das EEN-Büro Berlin auf nationaler und internationaler Ebene skizziert:

Vortrag EEN-Services in Berlin-Brandenburg, Katarzyna Grajner

Abgerundet wurde die Vortragsreihe durch eine abschließende Fragerunde mit Vertretern des Handwerks:

Kerstin Wiktor, Digitalisierungsbeauftragte der Handwerkskammer Berlin, unterstrich die Bedeutung der notwendigen Anpassungen aller handwerklichen Berufe im Allgemeinen und berichtete von Praxiserfahrungen der digitalen Transformation in handwerklichen Ausbildungs-Curricula, in sich rasch ändernde Anforderungen in den Lehrberufen.

Constantin Rehlinger, Geschäftsführer der Elektro-Innung Berlin (Landesinnung für Elektrotechnik) präzisierte dies anhand der Anforderungen speziell im Elektro-Handwerk. Gerade das Veranstaltungsthema „Smart Meter Gateways“ ist hier ein zukunftsweisender Aspekt bei der Schulung der Monteure. Speziell die Ausführungen auch der Netcom CS durch Rainer Wiggers haben aufgezeigt, wie tagesaktuell der Umbruch in der Branche ist. Daher beteiligt sich die Innung auch an übergeordneten Projekten des Wissens- und Technologietransfers, an Aktionen zur Darstellung von Zukunftsthemen z.B. auf nationalen Messen zusammen mit weiteren Verbänden.

Als Praktiker vom Bau berichtete Mike Heider, Mitglied bei „green with IT“ und seit vielen Jahren speziell im Themengebiet „Smart Home“ handwerklich unterwegs auf die Frage nach den aktuellen Kapazitäten zur Umsetzung anspruchsvoller Zukunftsthemen: „Die Elektrobetriebe sind in hohem Maße gewappnet für diese Zukunftsaufgaben. Unser Ausbildungsstand ist höher als viele dies vermuten mögen. Wir wünschen uns sogar noch mehr Anfragen mit erkennbarem Anspruch an protokollübergreifende Standards. Hier führen wir auch unsere Nachwuchskräfte laufend an Herausforderungen der Zukunft heran.“

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden alle Teilnehmer zu einer Online-Befragung eingeladen. Neben der obligatorischen Frage, wie denn die Veranstaltung gefallen habe, waren aber auch wichtige Dialogpunkte hier Gegenstand und konnten sofort beantwortet werden:

Die Präzisierungen der „Digitalisierung“ durch die präsentierten Details haben mit den Beispielen der selbstlernenden Algorithmen, der prädiktiven Lastkurven, der Smart Meter-Gateway-Aktionen technisch überzeugt. Aber mindestens ebenso wichtig war den Teilnehmern die Information aus der gelungenen Mieter-Integration, der positiven Einbindung auch speziell kritischer Mietergruppen durch überzeugende Vermieter-Aktionen der „Low Invest“-Kategorie, die nun offensiuchtlich Begeisterung erzeugt und konsequent weiter verfolgt werden sollte. Hier ergibt sich auch die Notwendigkeit, mit Instituten der wohnungswirtschaftlichen Soziologieforschung einmal konsequent nachzuhaken, in welchem Maße die ersten Erfahrungswerte nun übertragen werden können auf weitere Erfolgsprojekte. Damit war auch das Defizit des Projektes im Bereich der „weichen“ Faktoren angesprochen.

Weitere Anregungen der Teilnehmer zum thematischen Ausbau:

  • Datensicherheit als Infrastrukturthema
  • Mobile App´s zur Mieterbindung im Quartier
  • 5 G Netze in Gebäuden, Breitbandentwicklung 5 Gigabit-Gesellschaft
  • Mietervergleichsportale
  • Gebäudeintelligenz: wie wird dies im Bestand nach der EPBD-Richtlinie zu erwarten sein?
  • Interaktionen Vermieter-Mieter auf Basis neuer digitaler Geschäftsmodelle

Fazit:

Energie und IT initiieren mehr valide Effizienzerfolge und Standortstärken als vermutet. Immer mehr erkennbare neue Geschäftsmodelle werden in der Hauptstadtregion erfolgreich getestet und bringen validen Nutzen für Vermieter und Mieter. Auch Energielieferanten und -verteiler klinken sich mit zielführenden Aktionen ein: So stattet etwa der örtliche große Wärmeversorger Vattenfall Wärme GmbH sämtliche Haus-Anschluss-Stationen in Berlin mit Smart Metern aus, die die Werte des Primärkreislaufs an die Kunden kommunizieren.

Neue Schlagworte entstehen in der digitalen Transformation entlang der Verschmelzung von Energie und IT: mobile App´s für Mieter, selbstlernende Algorithmen in Einzelräumen, Energy Harvesting Prozesse, prädiktive Lastkurven, 5G-Anwendungen der Heizverbrauchstransparenz, zertifizierte Quartierlösungen, telemetrische Speditionsnetze, work@home und die Umsetzung von frühen Smart Meter Gateway-Projekten.

Noch spannender wird der Blick auf sichere und nach Datenschutzrichtlinien zertifizierte Anwendungen.Digitalisierung und Vernetzung bringen neue Quartierlösungen hervor, die selbst in gut bewirtschafteten Beständen noch große Effizienzen heben und so valide CO2-Senkungsraten ausweisen. Wohnungswirtschaftliche Akteure präsentieren IT-geführte Senkungspotenziale im Bereich der größten Stellschraube unserer Energiebilanz: der Heizenergie!

Gehirnschmalz vor Styropor lautet die Devise. Valide Pilotierungsergebnisse offenbaren erstaunliche Senkungspotenziale in Gewerbe- und Wohnobjekten und werden direkt von den Betreibern der Wohngebiete und Campusse berichtet; Return-On-Invest-Aussichten inklusive.

Gestaltungsrahmen EPBD, EED, GEG: Gehirnschmalz vor Styropor